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Well, das war also das. In den nächsten Tagen und Wochen wird hier noch ein bißchen nachgetragen. Nicht hintendran, sondern datentechnisch eingereiht. Stay tuned.
Den Flughafen Istanbul fand übrigens ein früheres Ich ganz nett, weil da zwar Anschlussflüge nie funktioniert haben, man aber relativ unkompliziert rauchen konnte, verglichen zB mit Heathrow, wo man für jede verdammte Kippe unter freien Himmel kommen und somit nach GB einreisen muss(te?). Nachdem das persönlich nicht mehr so Thema ist, fällt er vor allem mit weiten Wegen und selbst für Flughafenverhältnisse absurd wahnwitzigen Peisen für Snacks auf. Dafür geht es mit den Anschlussflügen mittlerweile besser.
Gerade sind wir im Norden Zimbabwes, in der Mavuradonha Wilderness Area. Eigentlich war das als Berg- und Wanderetappe geplant, das wird aber hintertrieben durch ein seit Chinhoyi schmerzhaft dysfunktionales Sprunggelenk. Landschaftlich beeindruckend ist es hier trotzdem.
Wir schlafen in der Small World Eco Lodge, und das ist ein Abenteuer für sich, beginnend damit, dass das Arrangement eine Art invertiertes Camping ist: Während man beim Camping mehr oder minder unter freiem Himmel schläft und für alle Badezimmerverrichtungen Gebäude aufsucht, schläft man hier in sehr hübschen und funktionalen Gebäuden, und die Badezimmerverrichtungen sind mehr so open air. Immerhin ist es nachts draußen nicht mehr so arschkalt wie in Chinhoyi oder Harare.
Dann sind die Leute, die diesen Beherbergungsbetrieb organisieren, zwar sehr nett, aber nicht so recht auf Gäste eingestellt. Der Gemeinschaftsküche fehlt die Spüle, der Herd ist eine Feuerstelle. Feuerholz muss gehackt werden und kostet extra, fair enough. Irgendwo in einem Nebengebäude gibt es noch einen zweiflammigen Gasbrenner, den kann man auch nutzen, Gas kostet aber extra. Wäscheservice kostet extra, was völlig normal ist – aber man kann ihn nur in Anspruch nehmen, wenn man eigenes Waschmittel mitbringt. Handyempfang gibt es nicht, und Starlink ist gerade kaputt. Immerhin gibt es verhältnismäßig zuverlässig Strom. Die öffentlichen Waschräume hinter der Rezeption sind allerdings wohl schon länger nicht mehr von Menschen betreten worden, offenbar aus Gründen.
Eine Plage ganz eigener Kategorie sind die allgegenwärtigen Affen. Lebensmittel kann man keinen Augenblick unbeaufsichtigt lassen, und bei teurem oder wichtigem Bling-Bling (Portemonnaie, Handy, Kamera, Autoschlüssel) empfiehlt es sich auch nicht. Koordinierte Angriffe auf voll besetzte Tische kommen vor, gleichfalls Einbrüche in die leider nicht sonderlich affendichten Unterkünfte: Zwischen Wand und Strohdach finden sich Spalten, da können Fenster und Tür dreimal verschlossen und verriegelt sein.
Zum Glück wurden wir in den ersten Tagen unserer Reise vor Campingplatzaffen gewarnt und haben in Kapstadt günstig eine Steinschleuder zur Distanzverteidigung erstanden. Die ist dann vier Monate im Kofferraum auf Allradstrecken durchgerüttelt worden und hat pünktlich drei Tage vor dem Ersteinsatz aus Verschleißgründen aufgegeben. Narf. Ersatzweiser Einsatz von Pfefferspray hat bereits zu Kollateralschäden unter Mitreisenden geführt, auch nicht gut.
Aber die Gegend sieht wirklich toll aus, und die Lagerfeuerabende werden allseits genossen.
Seit einer Woche sind wir mit eigenem Auto mobil. Der ursprüngliche Plan war ja, in Kapstadt ein Auto zu kaufen und es an irgendeinem hypothetischen Endpunkt der Reise wieder loszuwerden. Es gibt überall Gebrauchtwagenmärkte, sogar eine kenianische Kirchengemeinde hat über informelle Kontakte Interesse geäußert. Do not try this at home. Anmeldung, Zulassung, Versicherung und Zoll sind die Pest in Tüten, und beim Wiederverkauf zB in Kenia hätten wir wohl gegen alle Autoimportregelungen verstoßen, die das Land so hat. Vermutlich wäre es billiger geworden, die Karre irgendwo am Straßenrand anzuzünden als sie zu verkaufen und alle fälligen Zölle, Bußgelder und Gebühren zu bezahlen.
Gerettet hat uns der Service von African Overlanders (die für diesen Beitrag übrigens nicht bezahlt haben und auch nicht darum gebeten wurden). Das Geschäft geht so: Man kauft für runde 8000€ ein geländegängiges, DEKRA-zertifiziertes Auto, komplett mit Dachzelt, Kompressor, Kühlschrank, Tisch, Faltstühlen, rudimentärer Küchenausstattung usw.. Dann fährt man eine Weile damit rum und ist für Wartung und Reparaturen selbst verantwortlich, und am Ende verkauft man es zum Einstandspreis zurück. Abgezogen wird alles, was man kaputtgemacht hat, die Kosten für ein neues Dekra-Zertifikat und eine Nutzungsgebühr von 950€/Monat.
Das haben wir also gemacht, und jetzt haben wir einen Toyota Hilux mit Doppelkabine, 3-Liter-Dieselmotor, Erstzulassung 2012, knapp 200000 Kilometern auf dem Buckel und entsprechenden Krankheiten.
Rechts hinten gibt es gar keinen Sicherheitsgurt, und der Fensterheber geht da auch nicht, weil der funktionierende Schalter nach vorne links umgesetzt wurde. Die Klimaanlage ist eine Diva und kühlt trotz Neubefüllung mit Kühlmittel nur nach gutem Zureden. Wir haben die Wahl zwischen Hinterradantrieb und Gelände-Allrad, Straßen-Allrad spricht nicht an. Das Soundsystem erkennt nur 256 Tracks auf dem USB-Stick. Die Handbremse könnte fester sein.
Trotzdem ist das ein unglaublich guter Deal. Reifen, Getriebe, Spurstangenköpfe und aller mögliche Verschleißkram (Riemen, Schläuche, Filter) sind neu, der Wagen fährt zuverlässig, und in den drei, vier Monaten, die wir vor der Reise mit Beobachtung des südafrikanischen Gebrauchtwagenmarkts verbracht haben, ist uns nicht ein einziges Mal ein Hilux für unter 10000 Euro begegnet – völlig unabhängig vom Zustand.
Ein bißchen was an Ausrüstung haben wir noch ergänzt (Reserveschlüssel, Hammer, Brecheisen, Gurtschneider, Akkuflex, Sandbleche, Drehmomentschlüssel, CB-Funk, Batteriestarter, Powerflares, Vorratskisten), und jetzt sind wir sehr zufrieden unterwegs, bisher auch ohne die eigens eingerichtete Suppoort-Chatgruppe anschreiben zu müssen.
Nach Meinung von Duncan und Danie von African Overlanders heißt das Auto übrigens „Zazu“, wir schwanken noch, ob uns „Rosinante“ nicht besser gefällt. Das Afrikaanssprachige Publikum hier hat seine Entscheidung indessen getroffen: Das ist ein „Lekker Bakkie“.