Erlebnisse aus Deutschland und der großen, weiten Welt

Kategorie: Ausrüstung

Geschützt: Akku-Flex

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Autokrankheiten: First Response

In den jüngsten Tagen war hier ein bißchen viel die Rede von Autokrankheiten. Das kann den Eindruck erwecken, wir wären vom Pech verfolgt. Der wäre falsch. Autokrankheiten sind eine Wahrscheinlichkeitsfrage, und damit in der Risikoplanung eingepreist. Wir haben bei der Modellwahl auf Ersatzteil- und Kompetenzverfügbarkeit geachtet, sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet und haben Kram an Bord, um den wahrscheinlichsten Dingen zu begegnen. Lasst uns das vielleicht mal durchgehen.

Links unten in der Ecke seht ihr eine Auswahl an Schrauben und Unterlegscheiben. Die hat sich so angesammelt und wird rege genutzt. Im Uhrzeigersinn darüber zwei Universalsteine. Man kann das Auto damit aufbocken, gegen wegrollen sichern, man kann darauf kochen oder sie als Traktionshilfe nutzen. Gold.

Dahinter ein hydraulischer Wagenheber (das vielleicht meistgenutzte Teil auf dieser Reise, jeder Mechaniker sagt erstmal „lets jack it up“ und keiner hat einen eigenen Wagenheber), gefolgt von einer Universalschere (Kabelbinder, Schnüre, Drähte, Kabel, Duct-Tape).

Riegel im Bild, Reifenhebel, zwei kurze, zwei lange. Wenn man tatsächlich einen Reifen neu aufziehen muss, sind die, was beim Fahrradreifen die Löffel sind. Je länger, desto Hebel. Rechts daneben oben eine Rohrzange, unten ein improvisiertes Sammelsurium an Schraubenziehern.

Rechts neben der Rohrzange ein Hammer, ein Multitool mit Schraubbits und Ölkreide, um Dinge zu markieren. Darüber Motoröl und Bremsflüssigkeit, weil es bei beiden blöd ist, ohne Reserve dazustehen, wenn man irgendwo ein Leck entdeckt. Been there. Darunter Reifenflickset plus Seitenschneider.

Rechts oben geht es weiter mit improvisierten Verbindungen (Duct Tape, Kabelbilder verschiedener Größen), einem Besen und einer Akku-Flex, die in der Rückschau etwas übergeigt wirkt. Andererseits kam beim Wechsel der Koppelstangen schon eine Flex zum Einsatz, und das hätte ja auch irgendwo auf der Strecke sein können.

Darunter Elektrik: Ein Multimeter und diverse Sicherungen. Daneben Kleinkram, nochmal Reifenreparatur und ein Steinschlag-Soforthilfe-Set für die Frontscheibe.

Satz Schraubenschlüssel schadet nie, ebensowenig Starthilfekabel. Hier noch mit Powerbank, falls gerade niemand sonst da ist, der Starthilfe geben könnte. Und dann gibt es noch den Mitarbeider des Monats, das Arbeitstier, das zweite vielleicht meistgenutzte Werkzeug dieser Reise: Der Drehmomentschlüssel für die Radmuttern. Ein simples Radkreuz würde es auch tun, aber das Leuchten in den Augen aller Auto-Aficionados, von Bush-Mechanic bis Entwicklungsingenieur im Urlaub, ist den Drehmomentschlüssel wert.

Moskitos

Wir sind aktuell immer mal wieder einigermaßen zerstochen. Das ist völlig okay, weil im Südlichen Südafrika Mückenstiche nur nerven und jucken und sich ggf. entzünden, wenn man sie aufkratzt. Malaria, Dengue, Schlafkrankheit, alles keine Probleme hier.

Im weiteren Reiseverlauf kann das aber fies werden. Deswegen haben wir mehrstufige Schutzvorkehrungen eingerichtet:

Stufe eins ist NoBite als Hautspray. Da gibt es nicht viel auszuprobieren, DEET wirkt zuverlässig.

Stufe zwei, auch weil wir das Kind nicht die ganze Zeit in DEET baden wollen, ist vektorgeschützte Kleidung. Da sind wir bei https://www.craghoppers.com fündig geworden, die haben jetzt kein riesiges, aber ein passables Kinderprogramm – und für Erwachsene immer mal wieder die Möglichkeit, verhältnismäßig günstig Kleidung aus der Vorjahreskollektion abzugreifen, die obendrein manchmal ganz anständig aussieht.

Stufe drei sind imprägnierte Moskitonetze für die Nacht. Hier haben wir www.brettschneider.de am Start– allerdings leider nicht mit dem selbsttragenden „Vario“, das uns erstens zu wacklig, zweitens zu frickelig im Aufbau und drittens zu niedrig vorgekommen ist. Hier ist das „Expedition Bell“ dabei. Die Netze sind durchdacht geplant, gut verarbeitet und lassen sich halbwegs klein packen. Auf dem Kindernetz haben wir allerdings schon in der zweiten Nacht Mücken erschlagen, was ein bißchen Fragen nach der Wirksamkeit der Imprägnierung aufwirft.

Für die früher recht zuverlässige Imprägnierung mit Permethrin im DIY-Verfahren sind wir diesmal nicht rechtzeitig an hinreichende Mengen Permethrin gekommen, außerdem muss sie regelmäßig wiederholt werden – für kürzere Reisen würde ich sie aber wohl künftig wieder vorziehen.

Das Problem mit Moskitonetzen ist allgemein, dass sie an irgendwas hängen müssen, und bisher sind Hängepunkte rar. Wir haben Leinen dabei, um sie durch Zimmer zu spannen, Schraubhaken für Holzdecken, Karabinerhaken, Klebepads, Metallösen, doppelseitiges Klebeband, Kabelbinder und Gaffa-Tape. Bisher ist der Eindruck: Leinensysteme bringen nicht viel, aber vor allem Klebepads hätten wir mehr gebraucht. Auch die haben allerdings Nachteile: Manchmal kommt ein Stück Putz mit, wenn man sie wieder abmacht, und sie kommen an ihre Belastungsgrenze, wenn ein Fünfjähriger sich nachts in das hängende Netz einzuwickeln versucht.

Naja, und wenn das alles nicht hilft, hilft hoffentlich die Dengue-Impfung, die Malaria-Prophylaxe oder wenigstens die Standby-Medikamente.

Wir testen und berichten weiter.

Lekker Bakkie

Seit einer Woche sind wir mit eigenem Auto mobil. Der ursprüngliche Plan war ja, in Kapstadt ein Auto zu kaufen und es an irgendeinem hypothetischen Endpunkt der Reise wieder loszuwerden. Es gibt überall Gebrauchtwagenmärkte, sogar eine kenianische Kirchengemeinde hat über informelle Kontakte Interesse geäußert. Do not try this at home. Anmeldung, Zulassung, Versicherung und Zoll sind die Pest in Tüten, und beim Wiederverkauf zB in Kenia hätten wir wohl gegen alle Autoimportregelungen verstoßen, die das Land so hat. Vermutlich wäre es billiger geworden, die Karre irgendwo am Straßenrand anzuzünden als sie zu verkaufen und alle fälligen Zölle, Bußgelder und Gebühren zu bezahlen.

Gerettet hat uns der Service von African Overlanders (die für diesen Beitrag übrigens nicht bezahlt haben und auch nicht darum gebeten wurden). Das Geschäft geht so: Man kauft für runde 8000€ ein geländegängiges, DEKRA-zertifiziertes Auto, komplett mit Dachzelt, Kompressor, Kühlschrank, Tisch, Faltstühlen, rudimentärer Küchenausstattung usw.. Dann fährt man eine Weile damit rum und ist für Wartung und Reparaturen selbst verantwortlich, und am Ende verkauft man es zum Einstandspreis zurück. Abgezogen wird alles, was man kaputtgemacht hat, die Kosten für ein neues Dekra-Zertifikat und eine Nutzungsgebühr von 950€/Monat.

Das haben wir also gemacht, und jetzt haben wir einen Toyota Hilux mit Doppelkabine, 3-Liter-Dieselmotor, Erstzulassung 2012, knapp 200000 Kilometern auf dem Buckel und entsprechenden Krankheiten.

Rechts hinten gibt es gar keinen Sicherheitsgurt, und der Fensterheber geht da auch nicht, weil der funktionierende Schalter nach vorne links umgesetzt wurde. Die Klimaanlage ist eine Diva und kühlt trotz Neubefüllung mit Kühlmittel nur nach gutem Zureden. Wir haben die Wahl zwischen Hinterradantrieb und Gelände-Allrad, Straßen-Allrad spricht nicht an. Das Soundsystem erkennt nur 256 Tracks auf dem USB-Stick. Die Handbremse könnte fester sein.

Trotzdem ist das ein unglaublich guter Deal. Reifen, Getriebe, Spurstangenköpfe und aller mögliche Verschleißkram (Riemen, Schläuche, Filter) sind neu, der Wagen fährt zuverlässig, und in den drei, vier Monaten, die wir vor der Reise mit Beobachtung des südafrikanischen Gebrauchtwagenmarkts verbracht haben, ist uns nicht ein einziges Mal ein Hilux für unter 10000 Euro begegnet – völlig unabhängig vom Zustand.

Ein bißchen was an Ausrüstung haben wir noch ergänzt (Reserveschlüssel, Hammer, Brecheisen, Gurtschneider, Akkuflex, Sandbleche, Drehmomentschlüssel, CB-Funk, Batteriestarter, Powerflares, Vorratskisten), und jetzt sind wir sehr zufrieden unterwegs, bisher auch ohne die eigens eingerichtete Suppoort-Chatgruppe anschreiben zu müssen.

Nach Meinung von Duncan und Danie von African Overlanders heißt das Auto übrigens „Zazu“, wir schwanken noch, ob uns „Rosinante“ nicht besser gefällt. Das Afrikaanssprachige Publikum hier hat seine Entscheidung indessen getroffen: Das ist ein „Lekker Bakkie“.

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