
Seit einer Woche sind wir mit eigenem Auto mobil. Der ursprüngliche Plan war ja, in Kapstadt ein Auto zu kaufen und es an irgendeinem hypothetischen Endpunkt der Reise wieder loszuwerden. Es gibt überall Gebrauchtwagenmärkte, sogar eine kenianische Kirchengemeinde hat über informelle Kontakte Interesse geäußert. Do not try this at home. Anmeldung, Zulassung, Versicherung und Zoll sind die Pest in Tüten, und beim Wiederverkauf zB in Kenia hätten wir wohl gegen alle Autoimportregelungen verstoßen, die das Land so hat. Vermutlich wäre es billiger geworden, die Karre irgendwo am Straßenrand anzuzünden als sie zu verkaufen und alle fälligen Zölle, Bußgelder und Gebühren zu bezahlen.
Gerettet hat uns der Service von African Overlanders (die für diesen Beitrag übrigens nicht bezahlt haben und auch nicht darum gebeten wurden). Das Geschäft geht so: Man kauft für runde 8000€ ein geländegängiges, DEKRA-zertifiziertes Auto, komplett mit Dachzelt, Kompressor, Kühlschrank, Tisch, Faltstühlen, rudimentärer Küchenausstattung usw.. Dann fährt man eine Weile damit rum und ist für Wartung und Reparaturen selbst verantwortlich, und am Ende verkauft man es zum Einstandspreis zurück. Abgezogen wird alles, was man kaputtgemacht hat, die Kosten für ein neues Dekra-Zertifikat und eine Nutzungsgebühr von 950€/Monat.
Das haben wir also gemacht, und jetzt haben wir einen Toyota Hilux mit Doppelkabine, 3-Liter-Dieselmotor, Erstzulassung 2012, knapp 200000 Kilometern auf dem Buckel und entsprechenden Krankheiten.
Rechts hinten gibt es gar keinen Sicherheitsgurt, und der Fensterheber geht da auch nicht, weil der funktionierende Schalter nach vorne links umgesetzt wurde. Die Klimaanlage ist eine Diva und kühlt trotz Neubefüllung mit Kühlmittel nur nach gutem Zureden. Wir haben die Wahl zwischen Hinterradantrieb und Gelände-Allrad, Straßen-Allrad spricht nicht an. Das Soundsystem erkennt nur 256 Tracks auf dem USB-Stick. Die Handbremse könnte fester sein.
Trotzdem ist das ein unglaublich guter Deal. Reifen, Getriebe, Spurstangenköpfe und aller mögliche Verschleißkram (Riemen, Schläuche, Filter) sind neu, der Wagen fährt zuverlässig, und in den drei, vier Monaten, die wir vor der Reise mit Beobachtung des südafrikanischen Gebrauchtwagenmarkts verbracht haben, ist uns nicht ein einziges Mal ein Hilux für unter 10000 Euro begegnet – völlig unabhängig vom Zustand.
Ein bißchen was an Ausrüstung haben wir noch ergänzt (Reserveschlüssel, Hammer, Brecheisen, Gurtschneider, Akkuflex, Sandbleche, Drehmomentschlüssel, CB-Funk, Batteriestarter, Powerflares, Vorratskisten), und jetzt sind wir sehr zufrieden unterwegs, bisher auch ohne die eigens eingerichtete Suppoort-Chatgruppe anschreiben zu müssen.
Nach Meinung von Duncan und Danie von African Overlanders heißt das Auto übrigens „Zazu“, wir schwanken noch, ob uns „Rosinante“ nicht besser gefällt. Das Afrikaanssprachige Publikum hier hat seine Entscheidung indessen getroffen: Das ist ein „Lekker Bakkie“.
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