Tagesausflug zum Waterberg. Wandern, Natur, Sightseeing, spektakuläre Bergansichten, völlig falsches Schuhwerk. Kurzes wegignorieren des Wegweisers zu den deutschen Kriegsgräbern, bei denen wohl auch eine Plakette zum Gedenken an den unbekannten Herero zu finden sein soll. Schlacht, Krieg, Völkermord, wir schrecken davor zurück, das dem Kind zu erklären. Irgendwann wird man das nachliefern müssen.
Kategorie: Ausprobiert (Seite 3 von 4)
Auf dem Weg nach Windhuk Abstecher zur Philipps Cave. Kindertaugliche Wanderung und zumindest halbwegs kindertaugliche Faszination angesichts prähistorischer Felsmalereien.







Großzügig gerechnet haben wir den zweiten Reisemonat hinter uns, sind mit den gröbsten Startproblemen umgegangen und haben die wesentlichen Routinen etabliert. Dabei sind auch einige Erkenntnisse herausgekommen, was für eine Art Reise das hier sein wird, und warum.
Fangen wir mal beim Warum an: Kind und Auto. Beide halten uns entweder aktiv von der Anbahnung sozialer Kontakte fern oder reduzieren zumindest ihre Notwendigkeit. Das Auto ermöglicht Punkt-zu-Punkt-Bewegungen im eigenen Rhythmus, ohne sich darüber mit externen Leuten austauschen oder Knotenpunkte wie Ticket-Offices, Busbahnhöfe, Bahnhöfe oder Minitaxistände besuchen zu müssen. Gleichzeitig ist es in unregelmäßigen Abständen kaputt. Das Kind wiederum hintertreibt jedes Treffen, bei dem man ansatzweise seriös wirken will und jede Informationsaufnahme, die länger als fünf Minuten dauert und in einer anderen Sprache als Deutsch stattfindet. Außerdem muss es früh ins Bett, ab da sind wir stationär. Daneben gibt es natürlich noch einiges an gesundheits- und sicherheitsrelevanten Überlegungen, die mit Kind verschärft gelten.
Das reduziert unseren Erlebnisraum weitgehend auf Naturschauspiele und die Betrachtung historischer Artefakte. Mit denen muss man sich nicht verabreden und hat auch sonst wenig Koordinationsaufwand, die sind vorhersehbar eh da. Sprachprobleme gibt es auch nicht.
Das alles führt natürlich zu einem unerfreulichen Disconnect zwischen Reisenden und Bereisten, insbesondere mit Blick auf Erwartungen, die auf früheren Reiseerfahrungen beruhten und intensiven persönlichen Austausch sowie eine gewisse Verfolgung aktueller politischer und gesellschaftlicher Debatten im Reiseland vorsahen. Das findet hier nicht statt, wenn Sie sowas suchen, lesen Sie besser woanders.
Nicht nur das: Planung, Vorbereitung, Nachbereitung, begleitende Lektüre – forget about. Wir haben hier eine grobe Liste und ganz viel „könnte man auch“, und am Ende kommen halt Ergebnisse und Erlebnisse dabei raus oder es ist eben ein Nachmittag am Pool wichtiger (oder das Auto kaputt). Wer mit Fünfjährigen reist, muss gemeinsam mit Fünfjährigen planen.
Was wir hier lernen, hängt viel mit internen Dynamiken zusammen, mit situativen Ereignissen, und mit Erkenntnissen, die vorher niemand von uns auf dem Schirm hatte, wie etwa der Bedeutung von Pferden für die allgemeine Mobilität in Lesotho.
Das immerhin ist aber oft spannend. Bleibt gern dabei, wenn ihr wissen wollt, was uns noch begegnet.
Kurzer Gesamtüberblick über die bisherige Handlung in Bildern und Zahlen:

- Kilometer: etwa 7000
- Tage: 71
- Länder: 3 (Südafrika, Lesotho, Namibia)
- Grenzübertritte: 4 (nach Südafrika, nach Lesotho, nach Südafrika, nach Namibia)
- Pannen/Reparaturbedarfe: 6 (Kotflügel und Stoßfänger, Spritzschutz, Stoßdämpfer, Radaufhängung, Öldichtung, Windschutzscheibe (Steinschlag), defekte Warnlampen)
- Autoaufbrüche: 2 (Lüderitz, keine Beute; bei Sesriem, sani-bag geklaut)
- Verluste durch Kriminalität: 1 (Gürteltasche mit Taschentüchern, Desinfektionstüchern und Desinfektionsgel, aka sani-bag, vgl. Autoaufbrüche)
- Verluste durch Vergessen und Liegenlassen: 4 (Kinderwanderstock, Kopfkissen, Verlängerungskabel, Ball)
- Verluste durch Verlieren: 3 (Gürteltasche mit Kuscheltier, Multitool, Rettungsmesser)
- Verluste durch Beschädigung: 2 (Lesebrille, Fundmuschel)
- Medizinische Probleme: 1 (zerbröselte Zahnfüllung)

Heute Kolmanskop. „Geisterstadt“ sagt Wikipedia dazu, und mit modernen Konzepten von „Stadt“ im Hinterkopf sieht das Gelände auch dann nicht nach viel aus, wenn man es sich belebt vorstellt.
Aber von vorne. 1908 wurden hier Diamanten gefunden. Dann ist sehr schnell sehr viel passiert, hier hat der Bär sowas von gesteppt, eigene Eisfabrik, Bahngleise vor dem Haus, damit die tägliche Getränkelieferung funktioniert, erste Röntgenstation südlich des Äquators (damit niemand geschluckte Diamanten schmuggelt). Hier haben ein paar der reichsten Leute der damaligen Welt gewohnt, und 20 Jahre später war Schluß, und jetzt ist da nur noch Sand. Und Sand, und ein Souveniershop.



Geht doch.



Unvollständiges Tracklog. Die letzten Kilometer sind einem SIM-Kartenwechsel zum Opfer gefallen, wir sind noch weitergefahren bis zum Namgate Guesthouse in Grünau, und das war auch gut so, denn hier schläft und isst man ganz hervorragend.
Das Highlight des Tages war aber trotzdem der Grenzübertritt nach Namibia. Dafür brauchen Deutsche nämlich ein Visum und wir hatten keins. Visa on arrival können ausgestellt werden, aber nicht an jedem Grenzposten, und zu unserem, Ariamsvlei, gab es widerstreitende Angaben.
Auf der sicheren Seite wären wir mit einem e-Visum gewesen, das hätte aber für uns alle zwischen 400 und 600 EUR gekostet, der Großteil davon Bearbeitungsgebühren. Wir habens also ohne versucht und gewonnen, sind mit knapp 160 EUR Visakosten durchgekommen.
Was wir außerdem losgeworden sind, waren Grillfleisch, Bacon und Eier aus dem Kühlschrank – Namibia ist Maul- und Klauenseuchenfrei und möchte das bleiben. Was roh war, musste weggeworden werden, gegartes durften wir noch essen.
Eigentlich sind wir ja auf dem direkten Weg nach Namibia. An Augrabies waren wir allerdings so nah dran, dass wir uns der Gravitation nicht entziehen konnten (Dank an Rolf für den Hinweis). Tagesausflug zu den Fällen also. Grandios.
Danach waren wir noch kurz im Nationalpark unterwegs und haben und Giraffen und Schildkröten angeguckt. Auch auf 4×4-Strecken und mit Wasserquerungen. Das war spannend, Video folgt.
Blöd war, dass wir aus dem Nationalparkswegenetz wieder rausgekommen sind und das linke Vorderrad einen ganz komischen Winkel hatte. Entsprechend hat die Lenkung massiv nach rechts gezogen. Großes Pow-Wow über verschiedene Social-Media-Gruppen, diverse Konsultationen und Erwägungen, schließlich die Entscheidung: So fahren wir das Auto nicht 130 km nach Upington zurück.




Also auf den letzten Drücker ein Chalet im Nationalpark gebucht. Knapp den Ladenschluss des Souveniershops verpasst, daher keine Zahnbürsten verfügbar. Wechselkleidung ohnehin bourgeois. Resataurant immerhin noch geöffnet, also Wildpastete zum Abendessen. Und Kalahari-Pinotage.
Zwischendrin hat wohl jemand was gesagt von wegen man kenne einen Mechaniker, und alle fanden es eine gute Idee, am nächsten Morgen mit dem zu reden. Nach dem Abendessen kamm dann der Ranger-on-duty an den Tisch und erklärte, der Mechaniker arbeite seit geraumer Zeit am Auto und würde sich so langsam gern abstimmen. Also Abstimmung am Gate. Organisation eines Kurierdienstes für Zimmerschlüssel. Alles sehr anstrengend, aber auch: Dass eine Übernachtungsmöglichkeit, ein Restaurant und ein Mechaniker bereitstehen, wenn es einen Plan verhagelt, ist schon großer Luxus.
Bei der letzten Südafrika-Reise hatten wir uns die Tugela-Fälle von oben angeguckt. Das war diesmal, trotz Wanderkind, nicht drin, das ist eine Alpin-Strecke.
Es gibt aber auch den Blick von unten, die Wanderung durch die Tugela-Schlucht. Fürs Kind trotz allem zu lang, und leider ist das qua Wegbeschaffenheit auch nicht mit Pferd oder Muli aufzulösen wie in Lesotho. Also Aufteilung, Schluchtwanderteam (A.) und Bergwanderteam (N. & Kind, von Parkplatz A zu Parkplatz B).








