Bisschen wandern, war der Plan. Das Kind ein bisschen klettern lassen. Hübsche Berge fotografieren. Zum Beispiel die Spitzkoppe. Schöner Plan. Nur dass es auf dem Weg irgendwann ziemlich nach Diesel gerochen hatr. Und dann hat das Auto ein bißchen gehustet. Und dann ist es ausgegangen und stehengeblieben und hat sich nicht mehr gerührt. Das war hier. Das praktische an touristisch interessanten Routen in Namibia ist, dass relativ bald jemand vergleichsweise hochmoririsiertes vorbeikommt, und so dauerte es nicht lange, bis wir von Co-Touristen zum nächsten Camp abgeschleppt wurden. Auftritt kompetenter Mechaniker, der nach kurzer Inspektion nicht nur den Fehler an einer Treibstoffleitung zwischen Diesenpumpe und Zylinder findet, sondern auch ein passendes Ersatzteil. Statt Wanderung und Fotos also Ausbau, Einbau, Startversuche, endlich Weiterfahrt nach Omaruru (da ist vor lauter Aufregung der Tracker ausgestiegen). Unterwegs das komische Gefühl, dass es noch immer ziemlich nach Diesel riecht. Und der Wagen ziemlich viel verbraucht. Und beim Überholen deutlich weniger Leistung bringt als üblich. Bei Ankunft dann Gewissheit: Es gibt noch immer ein massives Dieselleck, es tropft geradezu aus dem Motorraum. Und der Wagen springt nicht mehr an. Mit großem Glück trotz Feiertag bei Casper’s Car Repair Centre Hilfe gefunden. Alles gereinigt und gespült, Leitungen und Filter getauscht. Auto ist fahrfähig. Morgen Windhoek.
Autor: admin (Seite 8 von 14)
Kurzer Gesamtüberblick über die bisherige Handlung in Bildern und Zahlen:

- Kilometer: etwa 7000
- Tage: 71
- Länder: 3 (Südafrika, Lesotho, Namibia)
- Grenzübertritte: 4 (nach Südafrika, nach Lesotho, nach Südafrika, nach Namibia)
- Pannen/Reparaturbedarfe: 6 (Kotflügel und Stoßfänger, Spritzschutz, Stoßdämpfer, Radaufhängung, Öldichtung, Windschutzscheibe (Steinschlag), defekte Warnlampen)
- Autoaufbrüche: 2 (Lüderitz, keine Beute; bei Sesriem, sani-bag geklaut)
- Verluste durch Kriminalität: 1 (Gürteltasche mit Taschentüchern, Desinfektionstüchern und Desinfektionsgel, aka sani-bag, vgl. Autoaufbrüche)
- Verluste durch Vergessen und Liegenlassen: 4 (Kinderwanderstock, Kopfkissen, Verlängerungskabel, Ball)
- Verluste durch Verlieren: 3 (Gürteltasche mit Kuscheltier, Multitool, Rettungsmesser)
- Verluste durch Beschädigung: 2 (Lesebrille, Fundmuschel)
- Medizinische Probleme: 1 (zerbröselte Zahnfüllung)

Ähem. Dieses Tracklog ist natürlich Quatsch und gleichermaßen ein Dokument persönlichen wie technischen Versagens. Richtig ist, dass wir auf einem Boot waren, nämlich dem Katamaran Penguin. Der fährt morgens um 0800 in Lüderitz ab, und das ist synapsentechnisch zu früh, um Tracker einzuschalten. Vor Halifax gab es einen Synapsen- und Tracker-Kickstart in Form heißer Schokolade, der dann aber aus unbekannten Gründen technisch sabotiert wurde. Dass wir wieder im Hafen angekommen sind, sei versichert.
Auf der Fahrt paar Delfine, paar Seehunde, viele Wellen. Ein müdes Kind, ein Kapitän mit starker Meinung über Greenpeace und die Überpopulation von Seehunden, eine überwiegend russische Reisegruppe. Sehr skurriles Erlebnis, dem eigenen Gehirn dabei zuzugucken, wie es kenntnisfrei Leute und Positionen einsortiert, wo es warum Distanz und Aversion empfiehlt und wie elend korrupt es sein kann, wenn das Kind Bonbons kriegt.


Heute Kolmanskop. „Geisterstadt“ sagt Wikipedia dazu, und mit modernen Konzepten von „Stadt“ im Hinterkopf sieht das Gelände auch dann nicht nach viel aus, wenn man es sich belebt vorstellt.
Aber von vorne. 1908 wurden hier Diamanten gefunden. Dann ist sehr schnell sehr viel passiert, hier hat der Bär sowas von gesteppt, eigene Eisfabrik, Bahngleise vor dem Haus, damit die tägliche Getränkelieferung funktioniert, erste Röntgenstation südlich des Äquators (damit niemand geschluckte Diamanten schmuggelt). Hier haben ein paar der reichsten Leute der damaligen Welt gewohnt, und 20 Jahre später war Schluß, und jetzt ist da nur noch Sand. Und Sand, und ein Souveniershop.


