Weite Teile der Strecke auf dem „Highway“ Chirundu-Harare. Hohe LKW-Dichte, wenig Überholmöglichkeiten, schlechte Straße. Mehr oder minder 200 km in dritten Gang, mit eingestreuten Adrenalinkicks bei Überholversuchen.
Autor: admin (Seite 4 von 14)
Das war nicht vergnügungssteuerpflichtig heute. Erst mussten wir in Sambia einen Interpol-Mitarbeiter bestechen, um mit unserem Wagen überhaupt aus dem Land rauszukommen, dann haben wir auf der simbabwischen Seite der Grenze auch noch ewig rumgehangen. Im weiteren Verlauf des Tages zwei dysfunktionale SIM-Karten erworben und einen 100-Dollar-Schein, den wegen eines Mikrorisses niemand annehmen will, aus dem Automaten gezogen.
Und dann war unsere Unterkunft weg. Irgendein blöder Prozess bei booking.com hat ein Storno für die morgige Buchung ausgelöst, unser Vermieter daraufhin An- und Abreisedatum verwechselt und statt morgen irgendjemandes heute unsere Übernachtungsgelegenheit weitergereicht. Glücklicherweise in der Nachbarschaft zu ähnlichem Preis ein Ausweichquartier gekriegt, aber langsam könnte auch mal wieder was klappen.

Lake Safari Lodge, ja, was schreibt man über die Lake Safari Lodge?
Man kann über die wunderschöne Riviera am Ufer des Kariba-Sees schreiben, die geräumigen Zimmer und die Panoramafenster erwähnen, das abendliche Lichterschauspiel der Fischerboote, die Poollandschaften und vor allem das stets freundliche, zuvorkommende und beflissene Personal. Man könnte über die ebenso zarten wie saftigen Filetsteaks schreiben, über die auf den Punkt gegarten Karibasee-Brassen und die sieben warmen Gerichte zzgl. frisch zubereiteter Omelettes am Frühstücksbuffet. Das wäre die Hymne, und sie wäre nicht falsch.

Man kann auch anmerken, das die Möbel mitunter etwas abgestoßen sind, die Sanitäreinrichtungen mal leck und mal verkalkt, dass die Hälfte der Gerichte auf der Karte weder verfügbar noch den Kellnern auch nur bekannt ist, dass man stundenlang aufs Essen warten muss und dann die Pommes zu kurz und die Garnelen zu lang frittiert sind. Wenn man Friedich Merz heißt, wird einem auch auffallen, dass es zum Frühstück zwar drei Sorten Brot gibt, aber weder Käse noch Aufschnitt. Die Fischerboote knattern und stinken und der ganze See wimmelt nur so von Krokodilen. Außerdem findet der Sonnenuntergang in der falschen Himmelsrichtung statt, um richtig spektakulär zu sein. Das wäre der Verriss, und er wäre auch nicht falsch.

Das Bindeglied ist vermutlich, die Geschichte als Tragödie zu sehen. Das Restaurant mit 150-200 Plätzen, von denen nicht einmal ein Zehntel besetzt sind. Die leeren Liegen am Pool. Die verwaiste Bar, deren gelangweilter Barkeeper jetzt vermutlich arbeitslos ist, obwohl noch fünf Sorten Importbier und alle wichtigen Spirituosen im Keller liegen. Die lange Reihe von Zimmern mit Panoramafenstern und -türen, vor denen nur drei Paar Schuhe stehen. Einen Ort, der nicht (mehr) genug einspielt, um den Luxus zu bieten, der das wirklich solvente Publikum anzieht, aber Betriebskosten hat, die eine Preisgestaltung auf Backpacker-Niveau verbieten. Es bleibt die lokale Mittelschicht, und die ist (zu) dünn.

Um die 100 US$ pro Zimmer pro Nacht, je nach Belegung (zwei Kingsize-Betten, wenn sie einander mögen, passen mindestens vier Leute rein).
Da sucht und plant man und findet schließlich eine ebenso günstige wie komfortable Unterkunft am Lake Kariba, in der nur niemand ans Telefon geht. Also fährt man einfach hin, die werden ja wohl Zimmer frei haben, bisher wars noch nirgends ausgebucht.
Well.

Wir sind dann ad hoc in der Lake Safari Lodge noch recht komfortabel, wenn auch dreimal so teuer untergekommen.
Auf dem Weg nach Siavonga im Chirundu Petrified Forest angehalten.







Das Kind wünschte Campingtage, das Kind kriegt Campingtage. Das Kind ist unzufrieden mit der WLAN- und Filmsituation auf dem Campingplatz.

Foto: https://unsplash.com/de/@maxfleischmann
Du spulst keine zwanzigtausend Kilometer ab, ohne Ärger zu kriegen. Wir auch nicht. Allerdings hält sich der Ärger bisher in Grenzen.
Ärger eins war in Otjiwarongo und ein totales Klischee: Mit Blaulicht überholt, „do you know why i stopped you?“
Es ging um Stoppschilder. Niemand beachtet Stoppschilder. Ich halte für total möglich, dass auch ich ein Stoppschild nicht beachtet hab, und daher kam das Problem. Wir haben also gemeinsam das Formular ausgefüllt, ich sehr zerknirscht, was kostet das denn wohl, autsch, das ist ja echt Geld (1500N$ iirc).
Dann stellt sich heraus, dass das mit dem Bezahlen gar nicht so einfach wäre, weil
a) Streifenpolizisten nicht selbst kassieren dürfen/sollen
b) wir gerade die Stadt für immer verlassen, aber
c) alle Polizeireviere gerade sehr beschäftigt sind.
Folge: Unser Strafzettel wird umgewandelt in eine kostenfreie „Warning“
Ärger zwei war eine Geschwindigkeitskontrolle auf dem Weg nach Monze/Sambia. Da saßen Leute mit einem optischen Gerät am Straßenrand und haben uns gestoppt. Speed contol, hier ist 60, ihr wart zu schnell, kostet Geld, talk to the boss.
Ich fand mich nicht zu schnell, aber gut, 60, da ist man schnell mal drüber. Dass die Kontrolle 10 Meter vor der Änderung auf 100 stattfand, kennt man von zuhause. Also: Talk to the boss.
Erste Runde, mein Verständnis: Das würde 400 Kwacha (etwa 20€) kosten, ohne Quittung würde es auch für 200 gehen. Kurze Rücksprache am Auto, wir bleiben offiziell. Formulare werden ausgefüllt. Nein, das kann nicht direkt bezahlt werden, man muss mit dem Formular bei einem Polizeiposten vorstellig werden. Gute Reise.
Rückweg zum Auto. Blöd, aber kein Beinbruch. Wenn es schon Geld kostet, wäre doch ein Speedcontrol-Foto fürs Blog fein, oder?
Ich: Sie machen doch Fotos mit dem Ding, oder?
Oberpolizistr: Klar.
Ich: Könnte ich eins kriegen? Ich meine, ich bezahle das ja quasi…
Und jetzt, das ist der Magic-Teil, verflüssigen sich die Vorwürfe und der verantwortliche Polizeioffizier spricht eine kostenfreie Verwarnung aus, lässt sich die quittieren, und weiter geht die Reise.
Von weitem:
Von Nahem (noch näher ist nass):
Von unten („Boiling Pot“):
Bei Sonnenuntergang:

In den jüngsten Tagen war hier ein bißchen viel die Rede von Autokrankheiten. Das kann den Eindruck erwecken, wir wären vom Pech verfolgt. Der wäre falsch. Autokrankheiten sind eine Wahrscheinlichkeitsfrage, und damit in der Risikoplanung eingepreist. Wir haben bei der Modellwahl auf Ersatzteil- und Kompetenzverfügbarkeit geachtet, sind auf verschiedene Szenarien vorbereitet und haben Kram an Bord, um den wahrscheinlichsten Dingen zu begegnen. Lasst uns das vielleicht mal durchgehen.

Links unten in der Ecke seht ihr eine Auswahl an Schrauben und Unterlegscheiben. Die hat sich so angesammelt und wird rege genutzt. Im Uhrzeigersinn darüber zwei Universalsteine. Man kann das Auto damit aufbocken, gegen wegrollen sichern, man kann darauf kochen oder sie als Traktionshilfe nutzen. Gold.
Dahinter ein hydraulischer Wagenheber (das vielleicht meistgenutzte Teil auf dieser Reise, jeder Mechaniker sagt erstmal „lets jack it up“ und keiner hat einen eigenen Wagenheber), gefolgt von einer Universalschere (Kabelbinder, Schnüre, Drähte, Kabel, Duct-Tape).
Riegel im Bild, Reifenhebel, zwei kurze, zwei lange. Wenn man tatsächlich einen Reifen neu aufziehen muss, sind die, was beim Fahrradreifen die Löffel sind. Je länger, desto Hebel. Rechts daneben oben eine Rohrzange, unten ein improvisiertes Sammelsurium an Schraubenziehern.
Rechts neben der Rohrzange ein Hammer, ein Multitool mit Schraubbits und Ölkreide, um Dinge zu markieren. Darüber Motoröl und Bremsflüssigkeit, weil es bei beiden blöd ist, ohne Reserve dazustehen, wenn man irgendwo ein Leck entdeckt. Been there. Darunter Reifenflickset plus Seitenschneider.
Rechts oben geht es weiter mit improvisierten Verbindungen (Duct Tape, Kabelbilder verschiedener Größen), einem Besen und einer Akku-Flex, die in der Rückschau etwas übergeigt wirkt. Andererseits kam beim Wechsel der Koppelstangen schon eine Flex zum Einsatz, und das hätte ja auch irgendwo auf der Strecke sein können.
Darunter Elektrik: Ein Multimeter und diverse Sicherungen. Daneben Kleinkram, nochmal Reifenreparatur und ein Steinschlag-Soforthilfe-Set für die Frontscheibe.



Satz Schraubenschlüssel schadet nie, ebensowenig Starthilfekabel. Hier noch mit Powerbank, falls gerade niemand sonst da ist, der Starthilfe geben könnte. Und dann gibt es noch den Mitarbeider des Monats, das Arbeitstier, das zweite vielleicht meistgenutzte Werkzeug dieser Reise: Der Drehmomentschlüssel für die Radmuttern. Ein simples Radkreuz würde es auch tun, aber das Leuchten in den Augen aller Auto-Aficionados, von Bush-Mechanic bis Entwicklungsingenieur im Urlaub, ist den Drehmomentschlüssel wert.